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Buchcover Jeff Kinney: Gregs Tagebuch - Von Idioten umzingelt!

Rezension von Christine Garbe

Greg hat von seiner Mutter ein Tagebuch geschenkt bekommen, obwohl Tagebücher doch eigentlich nur was für Mädchen sind! Also beginnt er, seine "Memoiren" zu schreiben, damit er eines Tages, wenn er "reich und berühmt" ist, dafür keine Zeit mehr aufwenden muss. Vorerst jedoch ist er "von Idioten umzingelt".

BuchtitelGregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt!
AutorJeff Kinney
GenreComic & Graphic Novel
Anti-Helden & Schelme
Lesealter8+
Umfang218 Seiten
EditionErste Auflage 2008
VerlagBaumhaus Verlag Köln
ISBN978-3-8339-3632-6
Preis12,99 € (Taschenbuch 7,99 €)

Der etwa zwölfjährige Greg Heffley bekommt von seiner Mutter ein Tagebuch geschenkt und nutzt dieses nicht als ´peinliches Mädchen-Tagebuch´ für ´Gefühlsduseleien´, sondern um vorsorglich schon einmal seine „Memoiren“ zu schreiben: damit er später, wenn er „reich und berühmt“ ist, nicht so viele Interviews geben muss. Vorerst jedoch fühlt er sich „von Idioten umzingelt“: zu Hause machen ihm der ältere Bruder Rodrick und der kleine Bruder Manni das Leben schwer und auch die Eltern Susan und Frank nerven ihn tüchtig; in der Junior Highschool, in die er eben gekommen ist, sieht er sich einem alltäglichen „Überlebenskampf“ unter den Mitschülern ausgesetzt, und auch sein einziger Freund Rupert nervt ihn gelegentlich gewaltig.

Silvester

 

Falls ihr euch wundert, wieso ich um 21.99 Uhr am Silvesterabend auf meinem Zimmer hocke, erklär ich’s euch.

 

Vorhin haben Manni und ich im Keller gerauft. Ich hab auf dem Teppich einen kleinen schwarzen Fussel gefunden und hab Manni gesagt, es wäre eine Spinne.

 

Dann hielt ich den Fussel über sein Gesicht und tat so, als ob ich ihn zwingen würde, ihn zu essen.

 

Als ich Manni dann loslassen wollte, schlug er mir gegen die Hand, und ich ließ den Fussel fallen. Und wisst ihr, was dann passiert ist? Der Trottel hat ihn verschluckt.

 

Tja, dann ist Manni komplett ausgeflippt. Er lief nach oben zu Mom, und ich wusste, jetzt krieg ich richtig Ärger.

 

Manni sagte Mom, ich hätte ihn gezwungen, eine Spinne zu essen. Ich sagte, es war gar keine Spinne, sondern nur ein kleiner Fussel.

 

Mom hat Manni zum Kühlschrank geführt. Dann legte sie einen Samen, eine Rosine und eine Traube auf einen Teller und sagte, Manni soll ihr zeigen, wie groß der Fussel ungefähr war, den er verschluckt hat.

 

Manni hat sich eine Weile lang die Sachen auf dem Teller angeschaut.

 

Dann ging er zum Kühlschrank und holte eine Orange heraus.

 

Tja, und deshalb haben sie mich um 19.00 Uhr ins Bett geschickt, anstatt mich unten im Fernsehen die Silvester-Sendung gucken zu lassen.

 

Und deshalb ist mein einziger Vorsatz fürs nächste Jahr, nicht mehr mit Manni zu spielen.

Greg, ein typischer Anti-Held, fühlt sich als Außenseiter und Fremdkörper in seiner sozialen Umwelt. Er ist klein, unsportlich, ängstlich und den Anforderungen eines traditionellen (hegemonialen) Männlichkeitsbildes nicht gewachsen bzw. nicht geneigt, einem solchen zu genügen. Zugleich setzt er sich mit List und Tücke gegen die ihn schikanierenden älteren Jungen („Gorillas“) zur Wehr. Die Bildungsambitionen der Mutter, die Computerspiel-Verbote des Vaters, die Männlichkeitserwartungen der peers und Lehrer (z.B. Ringkampf-Kurs im Sportunterricht) machen dem kleinen, eher schmächtigen Protagonisten zu schaffen. Liest man die Geschichten von Greg ein wenig „gegen den Strich“, so kann man darin eine kritische Auseinandersetzung mit den Normen einer hegemonialen Männlichkeit erkennen, die den „kleinen Helden in Not“ arg zusetzen kann. Doch dieses Thema kommt nicht problemschwer daher – im Gegenteil: Angelehnt an das Gattungsmuster des Schelmenromans, ist der gesellschaftliche Außenseiter Greg jemand, der nicht einfach unter den Verhältnissen leidet, sondern diesen mit Witz und einer gewissen Verschlagenheit das Beste abzugewinnen sucht. Dabei sind seine Handlungsmotive alles andere als edel: Greg ist stets auf seinen eigenen materiellen oder sozialen Vorteil bedacht: Bei Halloween will er etwa Süßigkeiten abstauben, in der Schule will er auf der „Beliebtheitsskala“ nach oben klettern, als Schülerlotse will er einen Teil des Unterrichts versäumen. Wie der klassische Schelm hat auch Greg keine Helfer, sondern sieht sich insgesamt einer „feindlichen Umwelt“ gegenüber, die er nach Kräften zu demaskieren sucht.

Fragt man nach einer übergeordneten Thematik, so ist diese wohl am ehesten in Gregs Bemühen zu sehen, sich in der „feindlichen Umwelt“ der neuen Schule zu behaupten. Mit den älteren Jungen („Gorillas“), die den kleinen Hänfling Greg und seinen skurrilen Freund Rupert immer wieder physisch bedrohen, hat Greg das ganze Schuljahr hindurch Probleme; diese gipfeln darin, dass eine Horde älterer Jungen die beiden dazu nötigen will, den „Stinkekäse“ auf dem Schulsportplatz zu verzehren. Dieser klebt seit einem Schuljahr auf dem Asphalt und macht nach der unter den Jungen kursierenden Geschichte vom „Käsefinger“ jeden, der ihn berührt, unter den Schulkameraden zu einem Aussätzigen, den alle meiden. Greg erfindet eine clevere Ausrede (er habe eine Milchallergie), aber Rupert wird zu dem Unfassbaren genötigt. Als Greg, um ihn vor den Mitschülern zu decken, behauptet, er habe den Stinkekäse beseitigt, hat er nun das „Käsefinger“-Problem am Hals.

Die Abwehr physischer Bedrohungen durch Ältere wird begleitet von Gregs Bestreben, in der „Beliebtheitsskala“ der Junior High School, insbesondere in der Sympathie der Mädchen, nach oben zu klettern: „Nach meiner Rechnung bin ich dieses Jahr so auf Platz 52 oder 53 der Beliebtheitsskala. Die gute Nachricht: Bald werde ich aufrücken, denn direkt vor mir ist Charlie Davies und der kriegt nächste Woche seine Zahnspange.“ (S. 7) Alle Versuche von Greg, sich bei den Mitschüler/inn/en beliebter zu machen, scheitern jedoch letzten Endes: weder die Karriere als Schülerlotse, noch der Versuch als Kassenwart der Schülerverwaltung, als Comiczeichner oder als Klassenclown sind von Erfolg gekrönt: Greg bleibt der notorische Pechvogel, dem seine Umwelt stets übel mitspielt.

In der Familie ist es nicht anders: Die Mutter nervt ihn mit ihren schulischen Ambitionen und ihrem guten Verhältnis zum Schulleiter; der Vater verbietet ihm seine Lieblingsbeschäftigung Videospiele und schickt ihn stattdessen an die frische Luft; der ältere Bruder spielt ihm manchen üblen Streich und der kleine Bruder „verpetzt“ ihn an die Mutter, wenn Greg ihn geärgert hat. Sein einziges Ventil ist der etwas trottelige Freund Rupert, an dem Greg die Streiche ausprobiert, die Rodrick zuvor ihm gespielt hat. Das geht am Ende jedoch beinahe schief, denn auch der gutmütige Rupert hat irgendwann genug und wendet sich anderen Spielkameraden zu. Nicht ganz uneigennützig hilft Greg ihm am Ende aus der Klemme (in der Affäre um den Stinkekäse) und deckt ihn gegenüber den Mitschülern, hofft er doch auf diese Weise Ruperts Sympathie zurückzugewinnen.

Die Geschichte ist in einzelnen Episoden erzählt, die locker aneinander gefügt sind, also für Leseanfänger einfachste Anforderungen stellen. Die Auflockerung durch witzige Comic-Zeichnungen erleichtert zudem das Verständnis und verstärkt den humoristischen Effekt der Darstellung. „Gregs Tagebuch“ bedient sich unterschiedlichster Formen der Komik. Situationskomik ist häufig vorhanden und wird vor allem durch die Zeichnungen unterstrichen: z.B. in der Episode um den „Stinkekäse“ auf dem Schulhof, den Streichen, die Rodrick Greg spielt, der Halloween-Episode u.a. Die „Komik der Befreiung“ (der Leser lacht mit dem Helden über andere) finden wir ebenfalls häufig: Greg drückt sich vor schulischen Anforderungen (z.B. bei der Einteilung in Lesegruppen stellt er sich extra dumm), bei der Schultheater-Aufführung usw. Er spielt heimlich bei Rupert Videospiele, die sein Vater ihm verboten hat u.v.m. Umgekehrt jedoch zeigt Greg sich auch häufig in der unterlegenen Position (der Leser lacht mit den anderen über den Helden), zum Beispiel wenn er von älteren Schülern bzw. Teenagern oder von seinem Bruder Rodrick malträtiert wird, wenn er im Ringkampf unterlegen ist usw. Seine lakonischen, selbstironischen Kommentare sichern ihm aber weiterhin die Sympathie seiner Leser. Greg spitzt die Verhaltensweisen seiner peers häufig satirisch zu, z.B. die Rauflust seiner Mitschüler in der Ringkampf-Unterrichtseinheit (vor allem durch die drastischen Comic-Zeichnungen), so dass eine kritisch-satirische Perspektive auf alltägliches Schulleben entsteht.

„Gregs Tagebuch“ ist aus der „Froschperspektive“ erzählt, eine autobiographische Ich-Erzählung, die allerdings durchgängig durch unzuverlässiges Erzählen (aus der subjektiv-parteilichen Perspektive des Protagonisten) gekennzeichnet ist. Greg stellt Ereignisse und Figuren aus einer stark subjektiv verzerrten Sicht dar, da er immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist (und sich selbst in dem vorteilhaftesten Licht darstellen will). Man darf seinen Aussagen also keineswegs einfach Glauben schenken, sondern muss eine zweite, objektivierende Lesart konstruieren (was auch für eine Behandlung im Deutschunterricht reizvolle Aufgabenstellungen ermöglicht). Gregs Tagebuch ist aus locker aneinander gereihten Episoden zusammengefügt, die den Zeitraum eines Schuljahres abdecken (das erste Jahr in der Junior-Highschool).


Auf dem Cover wird ein rotbrauner Ledereinband (eines Tagebuches) fingiert, auf dem die Hauptfigur als Ausrisszeichnung mit Tesafilm aufgeklebt ist – bereits in der charakteristischen Loser-Haltung. Auf den einzelnen Seiten sind die Zeilenmarkierungen eines Schreibheftes oder Tagebuches eingefügt. Die Textpassagen sind jeweils sehr knapp (ein oder zwei Sätze) und in sehr großer Handschrift (Druckschrift) gesetzt, also für Leseanfänger sehr gut geeignet. Dazwischen sind auf jeder Doppelseite zwei bis vier Comiczeichnungen eingefügt. Die einzelnen Episoden umfassen nur wenige Seiten und sind – dem Genre entsprechend – als Tagebucheinträge einzelnen Wochentagen zugeordnet. Der Text ist sprachlich einfach und häufig umgangssprachlich gehalten. Einzelne Szenen werden nur knapp skizziert und häufig durch die dazugehörigen Comic-Zeichnungen pointiert.

Fazit: Die satirische und selbstironische Perspektive des Außenseiters, der seine Missgeschicke mit trockenem Humor kommentiert, machen das Buch zu einem witzigen Lesevergnügen für jung und alt!

„Gregs Tagebuch“ eignet sich vorzüglich zum Einstieg in lustvolles Freizeit- / Unterhaltungslesen, gerade für männliche Lesemuffel; die neun Bände sollten darum in keiner Bücherkiste oder Klassenbibliothek fehlen, wenn es darum geht, Leseanfänger (in der Grundschule und der frühen Sek I) zum lustvollen Lesen zu animieren.

Verweise: Viellese-Verfahren, Lese-Animation

Multimedia: Die Merchandising-Seite des Verlags zur Buchserie (Informationen, Spiele, Downloads) findet sich hier: gregstagebuch.de/index.cfm 

Film: Freudenthal, Thor: Gregs Tagebuch. USA: Twentieth Century Fox 2010.

Markus Raith hat zu der Filmadaption einen Aufsatz mit didaktischen Hinweisen und Unterrichtsvorschlägen geschrieben:
Markus Raith: Gregs Tagebuch. Vom Comic-Roman zum Film. In: P.Josting/R. Dreyer (Hgg.): Lesefutter für Groß und Klein. Kinder- und Jugendliteratur nach 2000 und literarisches Lernen im medienintegrativen Deutschunterricht. Kjl&m 14 extra. München 2014. S. 115-123. Online verfügbar über mediaculture-online.de: www.lmz-bw.de/fileadmin/user_upload/Medienbildung_MCO/fileadmin/bibliothek/raith_tagebuch/raith_tagebuch.pdf

Kostenpflichtige Unterrichtsmaterialien von Christian Rühle als Download gibt es bei Cornelsen: www.cornelsen.de/home/katalog/akd/1.c.3265483.de

Zu einem entsprechenden Lesetagebuchprojekt stehen ebenfalls kostenpflichtige Materialien zur Verfügung unter www.school-scout.de/extract/60391/1-Vorschau_als_PDF.pdf 

Kostenlose Unterrichtsmaterialien zum Film von Sabine Genz für VISION KINO finden sich unter www.visionkino.de/WebObjects/VisionKino.woa/media/4865

Und ein Unterrichtsmodell für den Englischunterricht wurde bei Schöningh veröffentlicht:
Hannes Pfeiffer/Sarah Weber: Jeff Kinney: Diary of a Wimpy Kid. EinFach Englisch Unterrichtsmodelle. Schöningh 2014