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Buchcover Jennifer Gray: Carlos, ein Kater für alle Fälle. Band 1: Den Juwelendieben auf der Spur

Rezension von Christine Garbe

Ein Kater als mysteriöser Juwelendieb, eine Bande hinterhältiger Elstern als Auftraggeber, die chaotische Familie des Polizeiinspektors Edamer, die ahnungslos den Dieb beherbergt, eine englische Kleinstadt in Aufruhr – das sind die Zutaten zu diesem spannend und witzig erzählten Kinderkrimi, der alle kleinen (und großen Vor-)Leser begeistern wird.

BuchtitelCarlos, ein Kater für alle Fälle. Band 1: Den Juwelendieben auf der Spur
AutorJennifer Gray
GenreKrimi & Thrill
Lesealter8+
Umfang249
VerlagSchneiderbuch Egmont
Preis12,99
Erscheinungsjahr2017

Kater Carlos aus Monte Carlo ist ein berühmt-berüchtigter Meisterdieb und für neue Abenteuer stets zu haben. Ein mysteriöser Brief von anonymen Auftraggebern lockt ihn in eine Kleinstadt an der Küste Englands: Eine Gang von Elstern heuert ihn als Dieb von Schmuck und Juwelen an. Bei den Einbrüchen hinterlässt Carlos nicht die kleinste Spur – und hält so Polizeiinspektor Edamer ganz schön auf Trab. Was der Inspektor nicht ahnt: Der Juwelenräuber wohnt unter seinem Dach! Carlos hat sich nämlich in seinem Haus einquartiert und lässt sich von den Kindern der Familie, Michael (8 J.) und Callie (6 J.), sowie der Haushälterin Edna kräftig verwöhnen, während Frau Edamer an ihrer eigenen Karriere arbeitet. Mehr und mehr stellt Carlos fest, dass das Leben in einer ´normalen´ Familie eine attraktive Alternative zu seinem bisherigen Ganovendasein sein könnte. Und als Edamer wegen der unaufgeklärten Fälle um seinen Job bangen muss, beschließt Carlos die Fronten zu wechseln und den kriminellen Elstern das Handwerk zu legen. Doch diese rächen sich an Carlos und bringen ihn in höchste Bedrängnis. In einem turbulenten Showdown überstürzen sich schließlich die Ereignisse.

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Bei „Carlos – Ein Kater für alle Fälle“ handelt es sich um eine rasant und witzig erzählte Kriminalgeschichte für Kinder, die eine ungewöhnliche Konstellation zum Ausgangspunkt nimmt und viele überraschende Wendungen für die Leser bereithält. Denn Kater Carlos ist zunächst selbst der "Bösewicht", nämlich ein Meisterdieb, der seine Fähigkeiten in den Dienst einer Bande bösartiger Elstern stellt, bevor er deren Hinterhältigkeit durchschaut und die Fronten wechselt. Die Elstern wollen den englischen Badeort Littleton-on-Sea mit einer Serie von Einbrüchen überziehen, um sich für den Tod einiger Artgenossen zu rächen, die durch rücksichtslose Autofahrer ums Leben gekommen sind. Carlos ist das perfekte Instrument für diese Absicht, denn wer käme schon auf die Idee, dass die allnächtlichen Juwelendiebstähle von einem Kater ausgeführt werden, der keinerlei Spuren hinterlässt? Und mit sechs Sardinen pro Tag als Lohn ist er auch ein ausgesprochen "billiges" Werkzeug.
Allerdings braucht Carlos erstmal eine Bleibe, und die findet er ausgerechnet im Heim des frisch ernannten Polizei-Inspektors Edamer und seiner Familie. Denn die beiden Kinder der Familie, der achtjährige Michael und die sechsjährige Callie, wünschen sich schon lange ein Haustier und werden darin unterstützt von der patenten Haushälterin Edna, die sich um die Kinder kümmert. Die Mutter, Frau Edamer, ist beruflich voll eingespannt, um das große Event des Ortes zu organisieren, den jährlichen Antiquitätenmarkt mit begleitender Fernsehshow. Frau Edamer hofft, durch eine erfolgreiche Organisation des Trödelmarktes das ersehnte Jobangebot beim Fernsehen zu erhalten, während ihr Mann sich als Inspektor zu bewähren hat, will er nicht wieder zum Verkehrspolizisten degradiert werden.
Die Familienkonstellation der Edamers bringt also die Widersprüche des modernen Familienalltags in komisch-skurriler Überspitzung zur Darstellung, wovon schon der komische Familienname „Edamer“ zeugt: Die Eltern sind mit ihren je eigenen Karriereplänen beschäftigt und ständig am Rande der Kapitulation vor Chaos und Stress, die Kinder entwickeln – unterstützt von ihrer Kinderfrau – viel Fantasie und List, um ihre Wünsche – zum Beispiel den Wunsch nach einem Haustier – zu artikulieren und schließlich sogar durchzusetzen. Neben der Kriminalgeschichte ist "Kater Carlos" darum zugleich auch ein komischer Familienroman, der die Umkehrung der traditionellen Hierarchien demonstriert: Die Erwachsenen werden als Opfer ihrer eigenen Ambitionen und Eitelkeiten gezeigt, während die Kinder zusammen mit der Haushälterin und Kater Carlos die Situation retten und das Happy End (auch für die Eltern) herbeiführen.  

Die Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite aktionsreich und spannend erzählt, die turbulente Handlung sorgt immer wieder für Überraschungen und viele komische Szenen zeugen vom britischen Humor der Autorin. Dabei werden Slapstick und Situationskomik stets von den seltsamen Marotten der Erwachsenen ausgelöst, während die Kinder und der Kater sich immer mehr zu den eigentlichen Helden der Geschichte mausern. Das Buch ist in 25 Kapitel von durchschnittlich zehn Seiten Länge gegliedert und klar strukturiert, es ist chronologisch und auktorial erzählt. Die verschiedenen Handlungsträger – Kater Carlos, die Elsternbande, die Familie Edamer und weitere - werden zunächst in separaten Kapiteln vorgestellt, bevor sich ihre Wege kreuzen und zu den turbulenten Verwicklungen der Geschichte führen.
Sowohl Kater Carlos, der trotz seiner Diebeskarriere ein "gutes Herz" hat, als auch die kindlichen Protagonisten Michael und Callie sowie die resolute Haushälterin Edna bieten viel Identifikationspotential für Jungen (und auch Mädchen); Spannung, Überraschungen und komische Übertreibungen sorgen für Lesespaß bei Kindern ab 8 Jahren (und als Vorlesebuch sicher auch schon bei jüngeren Leser/innen). Die Sprache ist einfach und durch viel wörtliche Rede lebendig und gut nachvollziehbar, die Schrift ist relativ groß und der großzügige Zeilenabstand ist angemessen für jüngere Leser. Die deutsche Übersetzung durch Antje Görnig ist gelungen, der Lesefluss wird gut unterstützt, der Stil ist lebendig und anschaulich.
Die Druckseiten sind nur selten durch Illustrationen aufgelockert, die sich auf wenige grafische Elemente beschränken (Kater, Katerspuren, Elsternspuren….), wobei die Seitenzahlen durchgängig in weißer Schrift im Bild eines schwarzen Katers zu finden sind – ein einfaches, aber wirkungsvolles grafisches Gestaltungselement. Einzig das Buchcover ist wenig überzeugend: der gelb-rote Kater mit einem Diamanten in der Pfote auf rotbraunem Hintergrund sieht freundlich und harmlos aus und sendet keinerlei Spannungssignale aus, schon gar nicht für Jungen – das sollte der Verlag bei künftigen Auflagen ändern! (Zum Vergleich empfehle sei ein Blick auf das Titelcover von „Crenshaw – Einmal schwarzer Kater“ von Katherine Applegate im Sauerländer Verlag empfohlen: das zieht einen sofort in die Geschichte hinein.)

Die Autorin des hier vorgestellten Buches, Jennifer Gray, lebt mit ihrem Mann, vier Kindern und Kater Henry abwechselnd in London und Schottland. Sie ist erfolgreiche Autorin mehrerer Kinderbuchserien. Mit dem ersten Band von "Carlos, ein Kater für alle Fälle" war sie in England nominiert für den Waterstones-Kinderbuchpreis und gewann den Red-House-Buchpreis in der Kategorie ´Jüngere Leser´.

Das Buch „Carlos: ein Kater für alle Fälle“ eignet sich zum Vorlesen und Selberlesen ebenso gut wie für alle Formen der offenen Leseförderung (Viellese-Verfahren, Verfahren der Leseanimation). Da ein Kater zusammen mit einem gemischt-geschlechtlichen Geschwisterpaar als Protagonisten der Geschichte agieren, eignet sich das Buch gleichermaßen als Lektüreangebot für Jungen wie für Mädchen: Phantastische Tiergeschichte, Kriminalgeschichte und komischer Familienroman sind attraktive Lesestoffe für beide Geschlechter. Es kann darum ohne Bedenken in jede Bücherkiste oder Klassenbibliothek der Klassenstufen 3 bis 6 aufgenommen werden, halbwegs geübten Leser/innen zur eigenständigen Genusslektüre (im Unterricht oder zu Hause) empfohlen werden oder auch in Grundschulklassen zur Erarbeitung im Unterricht ausgewählt werden.
Im Sinne der Unterstützung von Lesefreude und Lesemotivation ist besonders zu erwähnen, dass die beiden Nachfolgebände der Serie ebenfalls bereits in deutscher Übersetzung erschienen sind und darum weiteres “Lesefutter“ zu neuen Abenteuern von Kater Carlos und Familie Edamer für begeisterte Leser/innen bereithalten.

Soll das Buch im Unterricht erarbeitet werden, so ist darauf zu achten, dass Witz und Spannung nicht durch eine zu analytische Herangehensweise zerstört werden. Anbieten würden sich darum hier Verfahrensweisen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts: Porträts der Figuren erstellen, den Handlungsverlauf entlang einer Zeitleiste grafisch darstellen, turbulente Schlüsselszenen aus der Perspektive verschiedener Figuren erzählen oder darstellen, Standbilder, Rollenspiele oder Umsetzung in auditive oder audio-visuelle Medien anregen.