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Buchcover John Green: Margos Spuren

Rezension von Nina Vogel

„Margos Spuren“ von John Green erzählt die Geschichte von Quentin und seiner Suche  nach seiner geheimnisvollen Schulfreundin Margo. Nach einer Nacht voller Abenteuer kehrt sie ihrer langweiligen Kleinstadt den Rücken, jedoch nicht ohne Quentin ein paar Spuren zu hinterlassen. Mit Humor, Spannung und viel Feingefühl gelingt Green ein weiterer kurzweiliger Coming-Of-Age-Roman.

BuchtitelMargos Spuren
AutorJohn Green
GenreComing of Age
Lesealter14+
Umfang336
Verlagdtv
ISBN978-3-423-08644-8
Preis9,95
Erscheinungsjahr2011

Quentin Jacobsen, besser bekannt als Q, lebt in der fiktiven Siedlung Jefferson Park in Orlando, Florida und steht kurz vor dem Abschluss der High School. Er gehört zu den Außenseitern an der Schule und ist vor allem damit beschäftigt, sich über den Schulball und diejenigen, die planen dort hinzugehen, auszulassen. Abgesehen davon verläuft sein Leben in geregelten Bahnen, bis eines Abends seine gleichaltrige Nachbarin Margo Roth Spiegelmann an sein Fenster klopft und um Hilfe bittet.
Für Quentin beginnt eine Nacht voller Abenteuer und Turbulenzen, doch an der Seite des Mädchens seiner Träume fühlt er sich zum ersten Mal so richtig lebendig.

Als Margo am nächsten Tag nicht zur Schule erscheint und Quentin herausfindet, dass sie von zu Hause weggelaufen ist, begibt er sich mit seinen besten Freunden Ben und Radar auf die Suche nach Margo und folgt den kleinen Spuren, die sie hinterlassen hat.

Als ich hörte, wie das Fenster aufging, und auf dem Drehstuhl herumschwang, starrten mir Margos blaue Augen entgegen. Erst waren nur ihre Augen da, aber dann gewöhnte ich mich an die Dunkelheit und sah, dass sie sich das Gesicht schwarz angemalt hatte und eine schwarze Kapuze trug.
„Hast du gerade Cybersex?“, fragte sie.
„Ich chatte mit Ben Starling.“
„Das beantwortet nicht meine Frage.“
Ich lachte verlegen, dann stand ich auf und kam ans Fenster. Unsere Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Es war mir ein vollkommenes Rätsel, was sie hier machte, an meinem Fenster, in dieser Aufmachung. „Was verschafft mir die Ehre?“, fragte ich. Theoretisch waren Margo und ich einander immer noch freundlich gesinnt, nahm ich an, aber ein nächtlicher Auftritt mit schwarzer Tarnfarbe im Gesicht war nicht an der Tagesordnung. Für so was hatte sie andere Freunde, da war ich sicher. Aber ich gehörte nicht dazu.
„Ich brauche dein Auto“, erklärte sie.
„Ich habe kein Auto“, sagte ich, was eine Art wunder Punkt für mich war.
„Dann brauche ich eben das Auto deiner Mutter.“
„Du hast doch selber ein Auto“, argumentierte ich.
Margo blies die Wangen auf und seufzte. „Richtig. Das Problem ist nur, dass meine Eltern meinen Autoschlüssel kassiert und in den Safe geschlossen haben, der unter ihrem Bett steht, und Myrna Mountweazel kriegt einen hysterischen Anfall, wenn sie mich sieht. Ich meine, natürlich könnte ich mich ins Schlafzimmer schleichen, den Safe klauen, ihn knacken, meine Schlüssel rausholen und wegfahren, aber das Problem ist, ich brauche es gar nicht erst zu versuchen, weil Myrna Mountweazel wie eine Verrückte zu kläffen anfängt, wenn ich die Tür auch nur einen Spalt aufmache. Also brauche ich dein Auto. Außerdem brauche ich dich als Fahrer, weil ich heute Nacht elf Sachen zu erledigen habe, und bei wenigstens fünf davon brauche ich einen, der den Fluchtwagen fährt.“
Ich ließ die Lieder sinken, sodass ihr Gesicht mit dem Hintergrund verschwamm und ihre Augen im Äther zu schweben schienen. Dann fokussierte ich wieder, sah den Umriss ihres Gesichts und die schwarze Farbe, die noch feucht war. Ihre Wangenknochen bildeten ein Dreieck mit dem Kinn, und ihre pechschwarzen Lippen bogen sich kaum merklich zu einem Lächeln.
„Ist irgendwas davon strafbar?“, fragte ich.
„Hm“, machte Margo. „Hilf mir auf die Sprünge – ist Einbruch strafbar?“
„Nein“, sagte ich entschlossen.
„Nein, Einbruch ist nicht strafbar, oder nein, du willst mir nicht helfen?“
„Nein, ich helfe dir nicht. Kannst du nicht eine deiner Assistentinnen abkommandieren?“ Lacey und/oder Becca tanzten immer nach Margos Pfeife.
„De facto sind sie Teil des Problems“, sagte Margo.
„Was ist das Problem?“, fragte ich.
„Es gibt elf Probleme“, antwortete sie ungeduldig.
„Keine Straftaten“, sagte ich.
„Ich schwöre, dass ich dich nicht zu strafbaren Handlungen zwinge.“

(S. 32 f.)

In seinem dritten Roman „Margos Spuren“ erzählt John Green abermals die Geschichte eines Außenseiters.
So wie Quentin Jacobson es sieht, erlebt jeder einmal ein Wunder. Sein Wunder ist Margo Roth Spiegelmann, das Mädchen von nebenan, das sein gewöhnliches Highschool-Leben auf den Kopf stellt. Waren sie als Kinder noch gute Freunde, so bewegen sich die beiden Teenager nun in unterschiedlichen Welten. Während Margo das beliebteste und gleichzeitig mysteriöseste Mädchen der Schule ist, ist Quentin der unscheinbare Junge von nebenan, der mit den Kids vom Orchester abhängt und in Ben und Radar zwei echte Freunde gefunden hat.

Wer bei dieser Ausgangslage eine klischeebeladene Teenie-Erzählung erwartet, wird jedoch enttäuscht. Denn Green gelingt es, wie in seinen Romanen „Will & Will“, „Eine wie Alaska“ oder „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, ein buntes Sammelsurium an einzigartigen und quirligen Charakteren zu erschaffen: Da ist Radar, dessen Eltern die weltgrößte Sammlung schwarzer Weihnachtsmänner besitzen, oder Ben, der aufgrund einer zeitlich ungünstigen Niereninfektion nur noch der „blutige Ben“ genannt wird, oder aber Margo, die mehr Mysterium als Mädchen zu sein scheint. Und dann ist da natürlich Quentin, oder Q, der Protagonist der Erzählung: Der unscheinbare Außenseiter, der fast zu wenig Nerd oder Rebell ist, um überhaupt als richtiger Antiheld durchzugehen, und an dem alles in seinen letzten Schulwochen gleichgültig vorbeizurauschen scheint. Bis dann der große Knall kommt, er wachgerüttelt wird und sich zum ersten Mal so richtig in etwas verbeißt.

In einer wahnwitzigen Nacht voller Abenteuer und Racheaktionen fühlt Q sich zum ersten Mal so richtig lebendig und der Leser sich dem Protagonisten zum ersten Mal richtig verbunden.  
Als Margo am nächsten Tag verschwunden ist, beginnt für Quentin die Suche nach seinem Schwarm und der Leser fiebert von Anfang an mit, ist genauso erfreut, frustriert, motiviert und verloren wie der Protagonist bei jeder neuen Spur – und kann das Buch nicht aus der Hand legen.
Bei Quentins Suche liefert John Green seinem treuen Publikum alles, was dieses von einem Jugendroman erwartet: eine ordentliche Dosis Humor, Angst und Unsicherheit, quirlige und vor allem zugängliche Charaktere und am Ende einen hoch spannenden Roadtrip.
Dabei kippt die Erzählung jedoch nie ins Vorhersehbare, Green hat für den Leser stets eine Überraschung parat, etwa in Form einer unerwartet auftauchenden Kuh.
In „Margos Spuren“ werden Thematiken wie Suizid, Zukunftsängste und die erste Liebe leicht in den Stoff des Romans eingebunden, sodass sie zum Reflektieren anregen, der Erzählung aber nichts an Leichtigkeit nehmen.

Die Struktur und die Erzählweise des Romans sind sehr leserfreundlich: In überschaubaren Kapiteln erzählt Green seine Geschichte, der Schreibstil ist bekannt einfach, und doch mit einem Wortwitz gespickt, der dem Leser oft ein Lachen ins Gesicht zaubert. Zudem finden sich im Roman eine Vielzahl an popkulturellen Referenzen. Vielleser können sich an den intertextuellen Verweisen erfreuen und erhalten gleich eine ganze Leseliste zum weiterstöbern, aber auch Lesemuffel werden an dem Roman ihre Freude haben.

John Green gehört zu den Popstars unter den jungen Autoren. „Margos Spuren“ ist ein weiterer Beweis dafür. Der Roman ist kurzweilig, humorvoll, tiefgründig und bietet sich sehr für jungendlich-männliche Leser an, da die männlichen Figuren im Buch hohes Identifikationspotential haben.