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Buchcover Michael Petrowitz: Das wilde Uff. Band 1: Das wilde Uff sucht ein Zuhause

Rezension von Stefanie Boor

Lio Peppel entdeckt ein wildes Urzeitwesen und will es vor einem bösen und gefährlichen Professor verstecken. Das chaotisch-liebenswerte „Uff“ macht es ihm jedoch nicht leicht und bringt alles durcheinander. Eine nervenaufreibende Verfolgungsjagd beginnt, die mit viel Humor gewürzt ist und vor allem kindlich-männliche Leser anspricht.

BuchtitelDas wilde Uff. Band 1: Das wilde Uff sucht ein Zuhause
AutorMichael Petrowitz
GenreFantastischer Realismus
Comedy
Lesealter8+
Umfang224
VerlagRavensburger
ISBN978-3-473-40311-0
Preis9,99
Erscheinungsjahr2017

Der Paläntologe Prof. Dr. Dr. Othenio Snaida sucht seit Jahren Beweise für die Existenz eines Urzeitwesens namens „Uff“. In einem Steinbruch will er das Wesen entdecken und mit ihm endlich berühmt werden, bisher jedoch erfolglos. Genau in diesem Steinbruch stürzt der ferngesteuerte Helikopter des Grundschülers Lio Peppel ab – und reißt dabei die Höhle ein, in der das Uff sein millionenjahrelanges Nickerchen gehalten hat. Der kleine Kerl hat blaues Fell, Hände mit drei Fingern und Vogelkrallen als Füße. Er versteckt sich in Lios Rucksack und beide entkommen dem verrückten Wissenschaftler.

Nun gilt es, dem Urzeitwesen auch weiterhin zu helfen. Lio möchte außerdem mit Uff die anderen Jungs an seiner Schule beeindrucken. Doch das Uff stellt sich als unberechenbar und chaotisch heraus. Es bringt den geordneten Alltag der Familie Peppel durcheinander, stellt in der Schule Quatsch an und verärgert den fiesen Vermieter Herrn Winz.

Schließlich kommt Prof. Snaida den beiden auf die Spur. Die Verfolgungsjagd geht los – und Lio stolpert von einer verzwickten Situation in die nächste. Dabei hilft es sehr, dass das Uff Quassl „spricht“: Es kann Funkwellen empfangen und so SMS verschicken, Emails von Computern senden, Rasenmäher steuern etc. Lio und Uff werden unzertrennlich und der Junge tut alles dafür, um seinen neuen Freund zu beschützen.  

Eine Leseprobe kann auf der Verlagsseite eingesehen werden.

Michael Petrowitz erschafft in seinem Roman „Das wilde Uff…sucht ein Zuhause“ mit Lio und Uff zwei liebenswerte und zugleich chaotische Hauptfiguren, mit denen sich kleine Leser auf verschiedene Arten identifizieren können. Der eine sucht Freundschaft und Anerkennung, der andere Schutz und Hilfe. So ist Lio ein Junge, der noch nicht seinen Platz in der Klassengemeinschaft gefunden hat und dem es etwas an Selbstbewusstsein mangelt. Uff, der verfolgt wird, kommt allein nicht zurecht. Er ist von Lios Schutz abhängig – der ja schließlich an seiner misslichen Lage Schuld ist.

In 29 Kapiteln wachsen dem Leser die beiden Figuren ans Herz. Die Kapitellängen variieren zwischen vier und elf Seiten und bauen so kurzweilig Schritt für Schritt die Ereignisse auf. Der Leser erfährt, wie beide Protagonisten eine persönliche Entwicklung erleben. Lio wird immer erfindungsreicher und mutiger, um Uff zu beschützen und stellt im Laufe der Geschichte gleichzeitig seinen eigenen Wunsch nach mehr Aufmerksamkeit in den Hintergrund. Selbstkritisch nimmt er sich den Hinweis von seiner Klassenkameradin Lotta zu Herzen, er sei auch nicht besser als Professor Snaida. Uff dagegen versucht immerhin, sich den Gepflogenheiten der heutigen Welt – Lios Welt – anzupassen und seine turbulenten Katastrophen wieder gut zu machen. Da hilft ihm die besondere Fähigkeit, „Quassl“ zu sprechen: per Funkwellen in seinem Kopf versendet er Emails und SMS und sorgt so für eine extra Portion Chaos.

Gut (Lio, Uff) und Böse (Professor Snaida) sind für die jungen Leser klar eingeteilt. Lio und Uff machen beide eine positive Entwicklung durch, während der böse Wissenschaftler bis zum Ende unbelehrbar bleibt. Dabei ist die Geschichte so locker erzählt, dass Petrowitz weitestgehend auf einen moralischen Zeigefinger verzichtet.
Der spannende, große Showdown ist eine Verfolgungsjagd, bei der letztlich alle Kinder zusammenhalten, um Uff zu retten. Auch das Urzeitwesen begreift dann, wie sich Freundschaft anfühlt.

Lustige Szenen lockern die spannenden Sequenzen an vielen Stellen ab. Etwa wenn Uff mit Genuss alle Fahrradklingeln an den Rädern von den Schülern wegknabbert (nur die rostigen schmecken eklig). Dieser Humor hilft den jungen Lesern, sich bei der Lektüre des Abenteuers auch zu entspannen.

Formal ist das Buch ebenfalls sehr gelungen und spricht vor allem Jungs an. Buchvorderseite und -rücken haben einen blauen Hintergrund. Bereits das Cover präsentiert beide Protagonisten und gibt Hinweise auf den Inhalt. Auf dem Vorsatzpapier mit einem vierfarbigen Bild lernen die Betrachter sofort die beiden weiteren wichtigen Figuren kennen: Professor Snaida und Lotta. Dadurch werden die kindlichen Leser von Petrowitz bereits vor dem ersten Kapitel an die Hand genommen. Im Buch begleiten Illustrationen in schwarz-weiß von Benedikt Beck den Text und lockern so die Seiten auf. Das hilft unsicheren Lesern, nicht vor zu viel Text zu erschrecken. Jedes Kapitel wird übrigens mit einem kleinen Bild von Professor Snaida, Lio, Uff oder Lotta über der jeweiligen Kapitelüberschrift eingeleitet. So erkennt der Leser sofort, wer im Folgenden hauptsächlich agiert.
Die Schrift des Textes ist recht großzügig und dadurch gerade für weniger geübte Leser geeignet. Ab und zu sind einige Textstellen in Form von Briefen oder Emails formatiert. Die Sätze sind kurz, in einem Mix aus Erzählung und Dialogen, gehalten. Professor Snaida, ein Brite, streut vereinzelt englische Vokabeln ein, die ein Achtjähriger jedoch verstehen kann, beispielsweise „Five o’clock“, „Listen“ oder „Stop it“.
Zwei weitere Titel sind für diese Reihe in Vorbereitung. Band 2, „Das wilde Uff…fährt in den Urlaub“ wird voraussichtlich im Juli 2017 erscheinen. Der dritte Band „Das wilde Uff…jagt einen Schatz“ ist voraussichtlich ab Oktober erhältlich.

„Das wilde Uff…sucht ein Zuhause“ ist eine fantastische, spannende und lustige Abenteuergeschichte, die thematisch nicht nur für Jungen geeignet ist. Petrowitz und Beck ist damit ein Buch gelungen, das – vor allem in Bezug auf das Lesevermögen – mit viel Spaß von Dritt- oder Viertklässlern selbst gelesen werden kann. Gleichzeitig eignet es sich als Vorlesebuch für jüngere Kinder sehr gut. An den humorvollen Details und Verwicklungen dürften Kinder und Erwachsene viel Freude haben – und den zweiten Band kaum abwarten können. Der Roman ist also gut geeignet, um zu einer erfolgreichen Leserkarriere beizutragen.

„Das wilde Uff…sucht ein Zuhause“ eignet sich hervorragend zum Selber-Lesen und Vorlesen. Damit kann das Buch in der Leseförderung gut eingesetzt werden, um beispielsweise als erwachsener Lesepate das Buch abwechselnd mit einem Schüler laut zu lesen.
Gleichzeitig kann das Buch sehr gut mit einer literaturpädagogischen Methode, etwa bei einem Bücher-Casting, vorgestellt werden.

Ob also private Lektüre oder Einsatz in der Leseförderung – wichtigste Gründe dürften Spannung und Spaß beim Lesen der Geschichte sein. Und da zeitnah weitere Bände veröffentlicht werden, motiviert der Titel auch, um den nächsten Teil zu lesen.