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Buchcover Milena Baisch: Anton taucht ab

Rezension von Matthias Zander

"Anton taucht ab" von Milena Baisch erzählt die Geschichte von Antons Campingurlaub mit seinen Großeltern. Anton freut sich am meisten auf den Swimmingpool, zu seinem Entsetzen gibt es jedoch keinen Pool, sondern nur einen See, den Anton mehr als eklig findet. Am liebsten würde er den kompletten Urlaub im Wohnwagen mit Computerspielen verbringen. In der virtuellen Welt ist er der Held und bezeichnet sich selbst als „Starflashman“, im realen Leben ist er ein unsicherer Einzelgänger.

BuchtitelAnton taucht ab
AutorMilena Baisch
GenreAnti-Helden & Schelme
Lesealter8+
Umfang102 Seiten
Edition2013
VerlagBeltz
ISBN978-3-407-74391-6
Preis5,95 €

"Anton taucht ab" von Milena Baisch erzählt die Geschichte von Antons

Campingurlaub mit seinen Großeltern. Anton freut sich am meisten auf den

Swimmingpool, zu seinem Entsetzen gibt es jedoch keinen Pool, sondern

nur einen See, den Anton mehr als eklig findet. Am liebsten würde er den

kompletten Urlaub im Wohnwagen mit Computerspielen verbringen. In der

virtuellen Welt ist er der Held und bezeichnet sich selbst als

„Starflashman“, im realen Leben ist er ein unsicherer Einzelgänger.

Den Großeltern zuliebe erkundet Anton aber doch den Campingplatz. Dabei trifft er andere Kinder, mit denen er nicht viel anfangen kann, etwa einen angeberischen Jungen, den er „Pudel“nennt.

Als Anton mit seinem Opa am Ekel-See angeln geht, fangen sie einen Fisch, zu dem Anton nach anfänglicher Skepsis eine Verbundenheit entwickelt. Der Fisch „Piranha“ erkundet nun in einer von Anton gebauten Konstruktion gemeinsam mit Anton den Campingplatz und sie erleben einige Abenteuer zusammen. Durch die Abenteuer mit seinem tierischen Freund wächst Anton über sich hinaus und überwindet sogar seine Ängste.

Ich glaube nicht, dass Sachen wie Wasser nett sein können. Aber ich muss

zugeben: Genauso fühlte es sich an. Mit einem starken Schwimmstoß

schoss ich nach vorne. Juchhu!
Piranha war anders geschwommen. Der

hatte mit allen Flossen irgendwie nur gewackelt, ganz schnell. Ich

versuchte, es nachzumachen. Meine Hände waren die Seitenflossen und

meine Beine die Schwanzflosse. Da musste ich bald auftauchen und neue

Luft holen. Besonders weit gekommen war ich nicht, wahrscheinlich weil

mir die Rückenflosse fehlte.
Durch die Taucherbrille konnte ich

wirklich viel sehen. Es war wie in den Unterwasserfilmen im Fernsehen.

Ein untergegangenes Seeräuberschiff oder U-Boot hatte ich nicht

entdeckt, aber das konnte noch kommen. Ich tauchte weiter.
Ja, da

waren sie auch, die Schlingpflanzen. Weiter draußen im See wuchsen dicke

Büsche davon. Ich änderte einfach die Tauchrichtung. Rechts neben den

Schlingpflanzen waren riesige Steine. Die sahen toll aus.
Wie Felsen.

Sie erinnerten mich an einen Actionfilm mit Unterwasserhöhlen, den ich

mal gesehen hatte. Ich stellte mir vor, dass ich einen Taucheranzug

anhatte und mehrere Gürtel mit Agentenwerkzeug. Da unten, zwischen

diesen Steinen, musste es eine Höhle geben. Und in dieser Höhle

versteckte sich der Böse. Ein Bösbock!
Ich machte einen Schwimmstoß

und glitt wie Piranha durch das Wasser. Lautlos. Es sollte ein

Überraschungsangriff werden. Zwischendurch holte ich Luft und dann

näherte ich mich immer mehr den Steinen. Der Bösbock hatte einen

Sauerstofftank, er konnte warten. Aber ich hätte keine Angst gehabt und

wäre ohne Sauerstofftank mitten in die Höhle geschwommen. Den Eingang

der Höhle hätte ich schnell gefunden, weil ich in meiner

Agentenausbildung alle diese billigen Tarnungen gelernt hätte.

Vielleicht wäre er dort hinten gewesen? Da, wo zwischen zwei großen

Steinen eine dunkle Lücke war? Jedenfalls wäre ich geschmeidig wie eine

Krake hineingeschlichen. Und da hätte ich ihn überrascht. Und die Kiste

mit illegalen Diamanten geborgen. Yes.
Immer wieder schwamm ich an

die Wasseroberfläche, wo die Sonne blendete. Ich kniff die Augen

zusammen, schnappte kurz nach Luft. Und dann ging es wieder runter.
Das ist Piranhas Welt, sagte ich mir. Die Welt von meinem Freund.

(Baisch 2013, S. 93 ff.)

Anton ist der Anti-Held des Buches „Anton taucht ab“. Er ist ein Außenseiter, neigt zu Wutanfällen und hat das Gefühl, dass alle gegen ihn sind. Seine Eltern werden nur am Rande der Geschichte erwähnt. Sein Vater behandelt ihn wie einen Versager und seine Mutter sperrt Anton ein, wenn er nicht gehorcht. Er hat in seinem Urlaub keine sozialen Kontakte zu Peergroups, sondern vorerst nur zu seinen Großeltern. Im Laufe der Geschichte wird der Fisch „Piranha“ seine engste „Bezugsperson".


Anton macht sich jedoch auch nicht viel aus menschlichen Freunden, denn er sagt: „Die gab es doch haufenweise im Netz, kaum jemand hatte so viele Chatfreunde wie ich“. Sein großer Rivale während des Urlaubs ist ein typischer Macho. Gegen diesen Angeber, den Anton „Pudel“ nennt, wehrt er sich mit Mut und Worten.


Schwierige Situationen meistert Anton, indem er seine Intelligenz, Kreativität und handwerkliche Begabung einsetzt. Beispielsweise baut er für seinen Fisch Piranha mit seinem Spielzeugrennauto, Opas Hosenträgern und Omas Lockenwicklern ein Gefährt zum Spazierenfahren und eine Madenfütterungskonstruktion. Anton zeigt in vielen Situationen Humor und Witz; beispielsweise als Marie, ein Mädchen vom See, ihn auf Piranha anspricht und er ihr entgegnet: „Ich sagte nicht: Das ist ein Piranha. Ich sagte: Das ist Piranha“.


Ein wichtiger Teil der abenteuerlichen Urlaubsreise von Anton ist die Freundschaft zu "Piranha". Als dieser in Gefahr ist, wendet Anton sogar Gewalt an. Er bedient sich männlichen Verhaltensmustern, um seinen Freund zu beschützen. Die ungewöhnliche Freundschaft weckt seinen Beschützerinstinkt, sodass er mit allen Mitteln um Gerechtigkeit für seinen "Piranha" kämpft. Des Weiteren wächst Anton durch die Tierfreundschaft über sich hinaus und er überwindet seinen Ekel vor dem See. Am Ende des Urlaubs und der Geschichte ist aus dem einstigen Computerfreak eine Wasserratte geworden und der Urlaub war doch nicht so schlimm wie befürchtet.


Anton ist der Ich-Erzähler der Geschichte und berichtet von seinen Abenteuern im Urlaub. Eine Besonderheit der Erzählweise ist die direkte Leseranrede. „Was ist los mit euch? Ihr seid so ruhig und hört die ganze Zeit brav zu. Das kennt man ja gar nicht. Aber es ist eine echte Abenteuerheldengeschichte, oder?“. Antons subjektive Perspektive ist die einzige wertende Instanz in der Geschichte. Er handelt oft impulsiv. Doch Anton hat auch seine ruhigen Momente, in denen er über sich, sein Verhalten und seine Umwelt nachdenkt; beispielsweise als er sagt: „Das habe ich doch nur wegen Oma und Opa gemacht. Sie wollen einen guten Enkelsohn haben. Das ist normal. Normalerweise sind Enkelsöhne auch cool und springen vom Steg. Nur ich bin nicht so. Ich bin ein Versager“.


Das Cover des Buches ist farbenfroh. Der Spielecontroller, der neben Anton auf dem Steg liegt, weist darauf hin, dass Anton gerne Computerspiele spielt. Im Seewasser hingegen kann man das Abenteuer erahnen, das auf Anton auf dem Campingplatz wartet. Neben dem  Cover befindet sich unten rechts auf den Buchseiten ein Daumenkino von einem Frosch, der eine Fliege fängt.

Die Syntax des Textes ist teilweise komplex, jedoch für Kinder ab neun Jahren gut verständlich. Auch sprachlich ist „Anton taucht ab“ angemessen für diese Altersgruppe, da die Geschichte konzeptionell mündlich bzw. umgangssprachlich erzählt wird.

Fazit:
Überschaubare Kapitel machen „Anton taucht ab“ besonders leserfreundlich und verschiedene Themenbereiche wie Computerspiele, Zeit in der freien Natur, Freundschaft und Überwindung sprechen besonders jugendlich-männliche Leser an. Antons Abenteuergeschichte ist durch konzeptionell mündliche Formulierungen und einfache Syntax auch für Leseanfänger geeignet.

„Anton taucht ab“ eignet sich für eine Klassen- oder Schulbibliothek sowie für die Lesekiste bei Vielleseprojekten. Aufgrund der subjektiv wertenden Erzählperspektive kann ein objektivierendes Anschlussgespräch hilfreich für den jugendlich-männlichen Leser sein, da die behandelten Themen selbst vom Leser reflektiert werden müssen.

Der Roman eignet sich besonders für männliche Leser, die viel Zeit vor dem Computer verbringen, da diese sich besonders gut mit Anton identifizieren können.

Eine Lehrerhandreichung zum Buch kann bei Beltz erworben werden.

Es gibt ein Unterrichtsmodell für die Klassen 3 und 4 von Christina Buck; Die Unterlagen sind kostenlos online verfügbar unter www.beltz.de/produkt_produktdetails/14501-anton_taucht_ab_im_unterricht.html; Die Dokumente können auch als Print erworben werden.

Zudem gibt es einen Bericht über ein Unterrichtsprojekt zum Roman mit Materialien zu einem Lesetagebuch auf dem Blog „Papillionis liest“ (April 2014)
/papillionisliest.wordpress.com/2014/04/21/milena-baisch-anton-taucht-ab-als-klassenlekture/

Einen weiterführender Lexikonartikel von Kirsten Kumschlies gibt es unter
www.kinderundjugendmedien.de/index.php/werke/729-baisch-milena-anton-taucht-ab

Multimedia:
Es gibt einen Folgeband: Baisch: Anton macht´s klar. Beltz 2014.
Den Buchtrailer des Beltz-Verlags gibt es auf Youtube unter
www.youtube.com/watch?v=C9CbbeRJeD0

Zudem wurde ein Hörspiel (2012) produziert, welches bei DAV Der Audio Verlag erschienen ist. Dazu ist online kostenlos ein „Hörbogen“ (Informationen und Unterrichtsideen) von Sven Vosseler für SWR/WDR 2012 verfügbar unter
www.ohrenspitzer.de/fileadmin/.../Hoerbogen_Anton_taucht_ab.pdf