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Buchcover Rainbow Rowell: Eleanor & Park

Rezension von Katharina Nennstiel

Die Geschichte von zwei verliebten Teenagern, deren Eltern und Umwelt nicht ganz so glücklich über die Beziehung sind, ist so alt wie die Geschichte der Welt. Und immer wieder neu ist, wie man diese Geschichte empfindet, wenn man mittendrin ist.

BuchtitelEleanor & Park
AutorRainbow Rowell
GenreComing of Age
Lesealter14+
Umfang(engl.) 336; (dt.) 368 Seiten
Verlag(engl.) St. Martin’s Griffin; (dt.) Hanser
ISBN(engl.) 978-1250012579; (dt.) 978-3446247406
Preis(engl.) 13,75 €; (dt.) 16,90 €

Eleanor und Park sind so unterschiedlich wie zwei Jugendliche nur sein können und doch haben sie etwas gemeinsam – sie sind beide auf ihre eigene Art und Weise Außenseiter. Von ihrem ersten, gewissermaßen erzwungenen Aufeinandertreffen im Schulbus würde man nie darauf schließen, dass sich zwischen ihnen die Geschichte einer ersten, großen Liebe entwickelt. Der eher introvertierte Park wächst über sich hinaus, als er sich für Eleanor einsetzt, die mit Mobbingattacken von Mitschülern und einem tyrannischen Stiefvater zu kämpfen hat. Obwohl Park oft Zweifel hat und die merkwürdig gekleidete Eleanor ihm manchmal ein wenig peinlich ist, kann er nicht leugnen, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt und gerät wegen ihr schließlich sogar in eine Prügelei. Über das Interesse für Musik und Comics lernen die beiden sich immer besser kennen und verbringen viel Zeit miteinander. Während Parks Familie Eleanor mit offenen Armen aufnimmt und ihr ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt, muss Eleanor ihre Beziehung zu Park und ihre gemeinsamen Treffen streng geheim halten. Alles scheint nahezu perfekt, bis Eleanor eine schreckliche Entdeckung macht, die die junge Beziehung schwer zu bedrohen scheint.

Er wurde zwei Tage lang vom Unterricht ausgeschlossen.

Steve wurde zwei Wochen lang suspendiert, weil es seine dritte Schlägerei in diesem Jahr war. Park hatte deswegen ein schlechtes Gewissen – schließlich hatte er mit der Schlägerei angefangen–, aber dann fiel ihm der ganze andere lächerliche Mist ein, den Steve jeden Tag anstellte und für den er nie bestraft wurde.

Parks Mutter war so wütend, dass sie ihn nicht abholen wollte. Sie rief seinen Vater an. Als sein Vater auftauchte, hielt der Direktor ihn zuerst für Steves Vater.

?Um ehrlich zu sein?, sagte sein Vater und zeigte auf Park, ?ist das mein Sohn.?

Die Schulschwester sagte, Park müsse nicht ins Krankenhaus, aber er sah ziemlich übel aus. Er hatte ein blaues Auge und wahrscheinlich eine gebrochene Nase.

Steve musste ins Krankenhaus. Sein Zahn war locker, und die Schwester war ziemlich sicher, dass er sich den Finger gebrochen hatte.

Park wartete mit einem Eisbeutel im Gesicht im Büro, während sich sein Vater mit dem Direktor unterhielt. Die Sekretärin brachte ihm eine Sprite aus dem Lehrerzimmer.

Sein Vater sagte erst etwas, als sie im Auto saßen.

?Taekwondo ist die Kunst der Waffenlosen Selbstverteidigung<, meinte er streng.

Park gab keine Antwort. Sein ganzes Gesicht pulsierte; die Schwester durfte keine Schmerzmittel ausgeben.

?Hast du ihn wirklich ins Gesicht getreten? ?, fragte sein Vater.

Park nickte.

?Das muss ein Sprungtritt gewesen sein.?

?Ein umgedrehter Halbkreistritt?, seufzte Park.

?Nie im Leben.? 

(S.152 f.)

Park distanziert sich stark von den Werten und Normen, die ihm vor allem durch seinen Vater vorgelebt werden. So rebelliert er z. B. gegen ein klassisches Rollenverständnis, indem er Eyeliner aufträgt, geschminkt zur Schule geht und so seinen Vater zur Weißglut treibt. Dieser scheint einen vorgefertigten Lebensentwurf für seinen Sohn im Kopf zu haben, welcher Park oft unter Druck setzt. Die ersten Fahrversuche im Auto werden im Beisein seines Vaters zur Katastrophe, die im Streit endet und zunächst hält Park auch alles über seine Beziehung zur Eleanor geheim.

Mit Hilfe der Beziehung zu Eleanor gelingt es Park, sich den vorgefassten Plänen seines Vaters immer mehr zu verweigern und er entwickelt Schritt für Schritt einen eigenen, alternativen Lebensentwurf, in dessen Mittelpunkt seine Freundin steht. Mit der Zeit gelingt es Park immer mehr, Verantwortung für die Beziehung zu übernehmen. Park ist in der Schule eher ein ruhiger Vertreter, zeigt aber ansonsten ein sehr aufgeschlossenes Kommunikationsverhalten gegenüber Peers und auch gegenüber der Erwachsenenwelt. Es gelingt ihm in Gesprächen mit Eleanor, auch unangenehme Dinge und Themen beim Namen zu nennen („Eleanor, lass das. Hör zu, ich bin sauer, weil ich glaube dass du schon beschlossen hast zu gehen, als du unser Haus betreten hast, vielleicht sogar schon vorher.“). Doch nicht nur das Gespür für unangenehme Situationen in Bezug auf seine Beziehung ist bemerkenswert, sondern auch seine Solidarität gegenüber seiner Freundin. Diese ist nahezu uneingeschränkt und steht über all ihren komischen Eigenarten, ihrem wunderlichen Kleidungstil und ihrer Unbeliebtheit bei den Mitschülern.

Parks mentale Ausgangslage entspricht der eines typischen 16-jährigen Schülers. Er bringt gute Noten nach Hause, interessiert sich für Musik und liest gerne und viele Comics in seiner Freizeit. Zu Beginn des Romans konzentriert sich seine Selbstwahrnehmung eindeutig auf unliebsame Eigenschaften und Schwächen, wodurch Park sehr unsicher erscheint. So hat er z.B. Angst vor bissigen Bemerkungen seiner Mitschüler, weil er die Sitzbank im Bus mit der sonderbaren Eleanor teilt oder er ärgert sich darüber, dass sein kleiner Bruder ihn in seiner körperlichen Statur bereit überragt. Im Laufe des Romans wird Park selbstbewusster und es gelingt ihm, nicht nur seine vermeintlichen Schwächen, sondern auch seine Stärken wahrzunehmen. Er trägt Eyeliner auf und ist selbst darüber verwundert, dass ihn die Kommentare seiner Peers nicht so getroffen haben, wie er vermutete hätte. Diese für Männer ungewöhnliche Eigenschaft, sich zu schminken, „gefällt [ihm] einfach. Es fühlt sich gut an“. Gegen Ende des Romans zeigt sich ein größtmögliches erreichtes Verständnisniveau von Park: Er akzeptiert, dass er Eleanor loslassen muss und sein eigenes Leben weitergeht, obwohl er sie noch immer liebt. Darin zeigt sich das Potenzial des Buches gerade für Jungen, die zwischen erster Liebe, erstem Liebeskummer, Findung von persönlicher Identität und gesellschaftlicher Rolle in das Erwachsenenleben gehen müssen.

Rowells Roman besitzt ein schlichtes, aber sehr ansprechendes Cover. Auf weißem Hintergrund sind Eleanor und Park zu sehen, während sie Musik hören. Eben diese Schlichtheit trifft auf geniale Weise das Herzstück des Romans: es geht um die aufregende erste Liebe zwischen zwei Teenagern und nichts anderes scheint für sie eine Rolle zu spielen.

Schriftgröße und eine Kapitellänge zwischen zwei und sechs Seiten sind sehr leserfreundlich gewählt und der multiperspektivische Erzählstil, durch den Gedanken und Gefühle von Eleanor und von Park jeweils abwechselnd dem Leser preisgegeben werden, fördert die Fähigkeit zum Perspektivwechsel.

Rainbow Rowell ist es gelungen, die Geschichte einer ersten großen Liebe, die jeden jungen Leser irgendwann einmal beschäftigt, in einem aufrichtigen und authentischen Roman aufzuarbeiten. Geschilderte Gedanken, Gefühle und Dialoge wirken echt, intim, und ergreifend und bieten zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten. Die Charaktere werden sehr authentisch beschrieben und machen die Geschichte glaubwürdig, wie direkt aus dem Leben gegriffen. Alles in allem ein intelligenter Roman mit Suchtcharakter.