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Buchcover Sabine Zett: Cool bleiben, Hugo!

Rezension von Sabrina Wegner

Hugo ist ein Genie, eine Sportskanone und der coolste Junge der Schule – zumindest ist das die Vorstellung, die er von sich selbst hat. Im wahren Leben ist er meilenweit davon entfernt und nur ein ganz normaler Junge, der wie jeder andere auch die Schwierigkeiten des Alltags meistern muss...

BuchtitelCool bleiben, Hugo!
AutorSabine Zett
GenreAnti-Helden & Schelme
Lesealter10+
Umfang187 Seiten
Edition1. Auflage 2013
VerlagLoewe Verlag, Bindlach
ISBN978-3-7855-7713-4
Preis12,95 €

Hugo ist ein Genie, eine Sportskanone und der coolste Junge der Schule – zumindest ist das die Vorstellung, die er von sich selbst hat. Im wahren Leben ist er meilenweit davon entfernt und nur ein ganz normaler Junge, der wie jeder andere auch die Schwierigkeiten des Alltags meistern muss.
Hugos neustes Problem: Seine Mutter ist schwanger und er darf sich in Zukunft neben seiner Schwester Anna auch noch mit einem kleinen „Schreihals“ herumärgern. Als hätte er nicht schon genug zu tun! Seit er sich mit der neuen Situation beschäftigt, träumt er nachts von fiesen Windelmonstern und kann tagsüber an nichts anderes mehr denken. Hugo will kein „Sandwichkind“ und großer Bruder sein. Lieber würde er weiterhin die Vorzüge des jüngsten Familienmitglieds genießen. Doch damit nicht genug: Er muss auch noch mit zum Geburtsvorbereitungskurs. Hugo ist verzweifelt und versucht mit aller Kraft, eine Lösung für das Problem „B-Thema“ zu finden. Doch dann entdeckt er Erstaunliches: Die Mädchen in seiner Klasse stehen voll auf Babys und selbst Hugos Schwarm Viola zeigt plötzlich Interesse an ihm…

„Ich bin Christiane, die Kursleiterin“, sagt sie in einem fast singenden, sanften Ton. „Du willst nur zugucken oder auch bei der Geburt dabei sein?“
Bei der Geburt?
Ich?
No way!
Sie bemerkt offenbar meinen entsetzten Blick. „Es kommt hin und wieder vor, dass ältere Geschwister dabei sein. Der Kreislauf des Lebens ist etwas völlig Natürliches. Hast du nicht Lust, diese wunderbare Erfahrung zu machen?“
Ich habe eine vage Vorstellung davon, wie ein Baby geboren wird. Das haben wir im Biologieunterricht besprochen und die Theorie reicht mir vollkommen, deshalb schüttele ich den Kopf. „Nein, danke. Ich schaue nur heute einmal zu.“
Sie nickt. „Es ist deine freie Entscheidung. Dann genieß es, und spür die wundervolle Energie in diesem Raum, die uns durch die freudige Erwartung der Anwesenden zuteil wird!“
Ich verstehe kein Wort, aber sie lässt mich wieder allein. Anschließend beginnt die Kursstunde, die ich äußerst merkwürdig finde. Sollte ich jemals Kinder haben, weiß ich nicht, ob ich so etwas auch mitmachen werde.
Die schwangeren Frauen sitzen alle im Kreis auf Gymnastikmatten und ihre Männer hocken direkt dahinter. Christiane sagt ein paar Worte zur Begrüßung und stellt dann den CD-Player an. Ich warte, bis endlich eine Melodie zu hören ist, aber es klingt so, als ob die CD kaputt wäre. Doch das soll wohl so sein, denn niemand reagiert komisch auf die seltsamen Klänge, das Wassergeplätscher und das Glöckchengebimmel.

Hugo ist ein typischer Anti-Held, der sich selbst maßlos überschätzt. Er beschreibt sein Aussehen als „eine Mischung aus berühmten Stars (also unfassbar gut aussehend)“ und ist davon überzeugt, ein „cooler Typ, genialer Schüler und Held der Schule“ zu sein, der immer „super Sprüche auf Lager“ hat. Schon auf den ersten Seiten des Buches merkt der Leser allerdings, dass Hugo damit zu hoch gegriffen hat und alles andere als ein Held ist. Von seiner Familie, insbesondere der Schwangerschaft seiner Mutter, ist Hugo genervt, von seinen Freunden fühlt er sich, bezüglich seiner Probleme, nicht genügend beachtet. Dem Thema „Mädchen“ möchte er sich am liebsten überhaupt nicht widmen, kann aber nicht verheimlichen, dass er sich in die hübsche Viola verliebt hat und am liebsten viel Zeit mit ihr verbringen würde. Er ist ein ganz normaler Junge, der einfach nur von sich selbst überzeugt ist. Arrogant wirkt er dabei allerdings nicht. Schaut der Leser hinter die Fassade und liest ein wenig zwischen den Zeilen, bemerkt er, dass Hugo nur versucht, seine Unsicherheit und Ängste mit Coolness zu überspielen. Besonders der neuen Situation, die durch die Schwangerschaft seiner Mutter auf ihn zukommen wird, ist er nicht gewachsen und versucht deshalb, alle möglichen Wege zu finden, das für ihn Beste aus der Situation zu ziehen. Dieser Aspekt des Anti-Helden-Romans ist angelehnt an das Gattungsmuster des Schelmenromans. So steckt der vermeintliche Überflieger Hugo nicht einfach den Kopf in den Sand, um still unter den Verhältnissen zu leiden, sondern setzt alle möglichen Hebel in Bewegung, um der Situation tatkräftig mit Witz und Charme das Bestmögliche abzugewinnen. Dabei sind seine Handlungsmotive alles andere als edel: Hugo ist stets auf seinen persönlichen Vorteil bedacht. So möchte er seine Großeltern nicht teilen oder gar auf sein neues Geschwisterchen aufpassen, er möchte nicht in seiner Nachtruhe gestört werden (weswegen er anfängt, Eierkartons zu sammeln, um sein Zimmer damit vor möglichen Geräuschen abzuschotten) oder anfallende Arbeiten erledigen. Wie der klassische Schelm hat Hugo dabei meist keine Helfer und sieht sich insgesamt einer „feindlichen Umwelt“ gegenüber – einzig sein bester Freund Nico steht ihm ab und an mit Rat und Tat zur Seite. Doch dieser scheint seine Ansichten nicht komplett zu teilen.

Eine übergeordnete Thematik lässt sich wohl am ehesten in Hugos Bemühen, der Schwangerschaft und allen dadurch entstehenden Veränderungen entgegenzutreten, erkennen. Nebenaspekte sind seine Freundschaft zu Nico, die durch Nicos fehlende Aufmerksamkeit bei Hugos „Baby-Problem“ leidet (Hugo ist der Meinung, sein bester Freund könne sich ruhig mehr mit der Situation auseinandersetzen und ihm bei einer möglichen Lösung des Problems helfen), und Hugos Interesse an Mädchen. In einem Steckbrief, der am Anfang des Romans steht, äußert sich Hugo durchweg negativ dem weiblichen Geschlecht gegenüber. Im Laufe des Buches erkennt der Leser aber, dass er keineswegs desinteressiert ist und sich sogar verliebt hat. Dieses Thema wird neben den Themen Familie und Freundschaft ebenfalls aufgegriffen.

Hugo erzählt aus der Ich-Perspektive über den Zeitraum der Schwangerschaft seiner Mutter bis hin zur Geburt seines kleinen Geschwisterchens von den Schwierigkeiten und Problemen, die diese Zeit mit sich bringt. Die Geschichte ist unterteilt in Kapitel, die übersichtlich gestaltet und leicht zu lesen sind. Aufgelockert wird die Handlung durch ein paar vereinzelte Comic-Zeichnungen und Sprechblasen, die sich am Rand oder zwischen zwei Absätzen befinden. Diese tragen zum Verständnis der Geschichte bei und beinhalten gleichzeitig einen humoristischen Effekt. Insgesamt bedient sich „Cool bleiben, Hugo!“ verschiedener Formen der Komik. Am meisten vorhanden ist – neben der „Komik der Befreiung“ (der Leser lacht mit dem Helden über andere, beispielsweise im Geburtsvorbereitungskurs) – die Situationskomik. Aber auch über Hugo kann der Leser gut lachen, weil dieser sich häufig in die unterlegene Position befördert: Zum Beispiel möchte er unbedingt mit seinen Großeltern auf den Spielplatz gehen, obwohl er mittlerweile zu alt dafür ist. Dort trifft er prompt einen Klassenkameraden, der auf seine kleine Schwester aufpassen muss. Sein Talent, in schwierigen Situationen souverän und cool zu bleiben, rettet ihn aus dieser Misere und bringt ihm beim Leser weitere Sympathiepunkte ein.

„Cool bleiben, Hugo!“ ist aus der Froschperspektive erzählt, eine autobiografische Ich-Erzählung, die durch unzuverlässiges Erzählen aus der subjektiv-parteilichen Perspektive des Protagonisten gekennzeichnet ist. Der Leser darf den Erzählungen Hugos keineswegs Glauben schenken, da dieser seine Umwelt gerne zu seinen eigenen Gunsten darstellt. Um eine objektive Übersicht zu bekommen, muss der Leser eine zweite, objektivierende Lesart konstruieren.

Formale Aspekte:
Das Cover ist ansprechend und aufwendig gestaltet. Es wird ein Blatt fingiert, welches mit einem Hefter am Rand befestigt ist. Der Hintergrund ist grün, das Blatt selbst braun und mit dem Protagonisten, welcher die Arme voller Babyflaschen, Schnuller, Windeln und einer Rassel hat, skizziert. Der Titel des Buches ist auf einem abgerissenen Zettel vermerkt, welcher über die Beine des Protagonisten „gelegt“ wurde. Hugo macht keine fröhliche Miene und scheint eher verunsichert und überfordert, was der Haufen an Babysachen in seinen Armen noch unterstreicht.

Bei der Schrift handelt es sich um eine große, gut leserliche Blockschrift. Vereinzelt lassen sich Comic-Zeichnungen und/ oder Sprechblasen finden – ca. alle 2-3 Seiten – und die einzelnen Kapitel umfassen mehrere Seiten – ca. 20. Der Text ist sprachlich einfach gehalten, wird allerdings an einzelnen Stellen mit einigen neuen Wortschöpfungen aufgefrischt, was zum Lesevergnügen beiträgt.

Fazit:
Ein witziges, erfrischendes und keineswegs langweiliges Kinderbuch über ein wichtiges Thema. Diesem Band sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, wenn sich in der Familie ein (weiteres) Geschwisterkind ankündigt, da es mit witzigem und verspielten Charme von den Schwierigkeiten, Problemen, aber auch schönen Seiten, die ein weiteres Familienmitglied mit sich bringt, erzählt.

Die Geschichten über Hugo lassen sich leicht lesen und eignen sich daher besonders für den Einstieg in einfaches, genussvolles Freizeit- bzw. Unterhaltungslesen.

Hier handelt  es sich um Band 6 einer Serie, die weiteren Bände sind:
Bd.1: Hugos geniale Welt
Bd.2: Hugos Masterplan
Bd.3: Hugo hebt ab
Bd.4: Very important Hugo
Bd.5: Hugo chillt

Multimedia:
Alle Bände gibt es auch als Hörbuch und sind bei JUMBO Neue Medien und Verlag GmbH erschienen.

Einen Buchtrailer zum ersten Band (Hugos geniale Welt) gibt es auf youtube: www.youtube.com/watch?v=-8dezZqcNyA

Zudem existiert eine Aufnahme einer Lesung mit Sabine Zett in der Stadtbibliothek Bergheim – ebenfalls auf youtube:
www.youtube.com/watch