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Buchcover Tim Tharp: Perfekt ist jetzt

Rezension von Verena Hack

Sutter Keely ist der Partylöwe der High-School. Wo er auftaucht ist Spaß und gute Stimmung vorprogrammiert. Sein Leben scheint perfekt. Ein großes Seven-Up mit Whisky, Partys, ein Auto und eine hübsche Freundin – was will man mehr?

BuchtitelPerfekt ist jetzt
AutorTim Tharp
GenreComing of Age
Umfang332 Seiten
Edition2014
VerlagMagellan
ISBN978-3-7348-5003-5
Preis16,95 [D], 17, 95 [A]

Sutter steht kurz vor seinem High-School-Abschluss und gibt nicht viel darauf, wie es in der Schule läuft, sondern gießt sich lieber noch einen Whisky in sein großes Seven-Up, bevor er im Anzugladen aushilft. Sein Leben könnte eigentlich immer so weitergehen, wozu also erwachsen werden? Die Erwachsenen haben schließlich nur Probleme. Doch dann fällt ihm auf, dass alle um ihn herum Pläne für die Zukunft haben – seine Freunde wollen studieren oder über Beziehungen in gute Jobs kommen. Seine Freundin verlässt ihn, weil sie sich einen reiferen Partner wünscht und Sutter muss einsehen, dass man nicht immer ein Teenager bleiben kann. 

Nach einer seiner durchzechten Nächte wacht er in Aimees Vorgarten auf, ein junges, unscheinbares Mädchen aus seiner Schule, das Sutter immer mehr fasziniert, obwohl sie ganz anders ist, als all seine Ex-Freundinnen. Er macht es sich zur Aufgabe, ihr zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen und ihr Leben zu verändern, aber immer mehr bemerkt er, dass Aimee ihn vielleicht gar nicht braucht, weil sie vor ihm ein besseres Leben hatte.

Kapitel 16

Als ich mich bewege, zuckt sie erschrocken zurück. „Du lebst ja noch“, sagt sie. „Ich dachte, du wärst vielleicht tot.“

Ich sage:“Ich glaube nicht.“ Aber ganz sicher sein kann ich mir im Moment über gar nichts. „Wo zum Teufel bin ich?“

„In meinem Vorgarten“, sagt sie. „Kennst du jemanden, der hier wohnt?“

Ich richte mich auf und betrachte das Haus – ein hässliches kleines Ding aus rosa gestrichenen Ziegeln mit einer Klimaanlage im Fenster. „Nein, hier war ich noch nie.“

„Hattest du einen Unfall oder so?“

„Nicht dass ich wüsste. Wieso? Wo ist mein Auto?“

„Ist es eins von denen da?“ Sie deutet zur Straße, wo auf unserer Seite zwei Autos am Gehweg stehen, und auf der gegenüberliegenden erkenne ich im Licht der Straßenlaterne einen schrottreifen weißen Pick-up. Bei Letzterem läuft noch der Motor, daher nehme ich an, dass das ihrer ist. 

„Nein, ich habe einen Mitsubishi“, sage ich. „Oh Mann, ich muss eingepennt sein.“ Ich sehe mich um, versuche, wieder einigermaßen zur Besinnung zu kommen. Über uns erhebt sich ein knorriger Baumstamm und durch seine Zweige kann man gerade so den Mond sehen. In dem Vorgarten steht ein klappriger Liegestuhl und ein Stückchen weiter sehe ich zwei Bierdosen im Gras. Ich erinnere mich vage daran, in dem Liegestuhl gesessen zu haben, aber wie ich dorthin gekommen bin, weiß ich nicht.

„Also“, sagt sie, „du weißt nicht, wo du dein Auto stehen gelassen hast?“

„Lass mich mal eine Sekunde nachdenken“, sage ich, aber mein Kopf ist gar nicht in der Verfassung dazu. „Nein, hat keinen Zweck. Ich weiß nicht, wo es ist. Vielleicht hab ich es ja auch zu Hause abgestellt und bin dann noch mal spazieren gegangen.“

Sie schüttelt den Kopf. „Nein, ich glaube nicht, dass du hier in der Gegend wohnst, Sutter.“

Jetzt bin ich echt überrascht. „Woher weißt du, wie ich heiße? Unterhalten wir uns schon länger?“

Sutter fühlt sich als der King of Party, jeder in seiner Schule findet ihn toll, niemand klagt ihn wegen etwas an, das er tut. Aber etwas scheint ihm zu fehlen, denn er kommt nur durch den Tag, wenn der Alkohol nicht knapp wird. Zu Hause dagegen ist es alles andere als gut. Seine Schwester, die bereits ausgezogen ist, hat einen neuen Schnösel-Freund, den er nicht ausstehen kann und seinen Vater hat er seit einer Ewigkeit nicht gesehen. Jedem, der es hören will, erzählt er, er wäre Manager in einem großen Unternehmen der Stadt, bis Sutter es selbst fast glaubt. Eine für den Adoleszenzprozess interessante Art der Normabgrenzung, die das eigene Ich beinahe miteinschließt.

Sutter sucht Beständigkeit im Alkohol, nachdem er in seiner Familie keinen Rückhalt findet und auch seine Freundin für ihn keinen Familienersatz darstellen kann. Sutter scheint irgendwann wie aus einem Traum aufzuwachen und festzustellen, dass die Erde sich weiter gedreht hat, während er sich vollkommen in seinem 18-jährigen High-School-Ich verliert; seine mentale Ausgangslage ist alles andere als erwachsen. Es scheint ihn zu schockieren und zu überfordern, dass sein Leben nicht immer so weiter gehen kann und er sich wohl oder übel mit seiner Zukunft auseinander setzen muss. 

Der Roman ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht Sutters geschrieben, der sehr lebendig erzählt. Durch seinen Stil bekommt der Leser schnell ein Bild von jeder beschriebenen Szene vor dem inneren Auge. Doch auch wenn der Leser Sutters Gedanken und Handlungen direkt miterlebt, bleibt er trotzdem ein schwer greifbarer Charakter. Bis zum Ende bleiben seine Handlungen für den Leser unvorhersehbar. Sutters Lebensmotto „Perfekt ist jetzt“, das wohl dem gebräuchlichem „Carpe diem“ nachempfunden ist, zeigt seine positive Lebenseinstellung, der es allerdings an Zukunftsperspektive fehlt.

Das Cover des Buches ist hochwertig im Druck, schlicht, aber eindringlich gestaltet. Allerdings lässt das Layout keinen Schluss auf den Inhalt des Buches zu. Mehr noch könnte man eine Liebesgeschichte im Sommer hinter dem herzförmigen Eis am Stiel vermuten, was das Buch allerdings nur als Nebenhandlung beinhaltet. Die kurzen Kapitel und die angenehme Schriftgröße laden auch wenig Geübte zum Weiterlesen ein. Jedes Kapitel endet mitten in einer Handlung, was den Lesenden animiert, gleich das nächste aufzuschlagen. Die Sprache ist zwar einfach gestaltet, jedoch nicht platt und die Unterhaltungen wirken realistisch. Zum Teil sind die Gespräche der Figuren auch tiefgründig und philosophisch, ohne aber für jugendliche Leser zu kompliziert zu werden. 

Der herausgebende Verlag empfiehlt den Roman für Leser ab 14 Jahren. Diese Altersempfehlung ist allerdings kritisch zu sehen, da auch Themen wie Alkoholismus oder Missbrauch behandelt werden. Zudem werden sexuelle Szenen zum Teil sehr genau geschildert. Die Charaktere und ihre Welt werden eindrücklich beschrieben, ohne dass die Beschreibungen sich in langatmigen Details verlieren. Alle Figuren sind sehr unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit, was die Geschichte interessant macht. 

Fazit

Das Buch ist sehr lohnenswert zu lesen. Es ist interessant, beim Lesen Sutters Gedankenwandel mit zu verfolgen, auch wenn es gegen Ende nicht einmal Andeutungen darauf gibt, wie die Zukunft der Hauptfigur aussieht. So bleibt es dem Leser selbst überlassen, wie er sich die Geschichte von Sutter weiterdenkt. Die Verfilmung mit dem Titel der englischen Originalausgabe „The Spectacular Now“ aus dem Jahre 2013 hat diese Thematik aufgegriffen und – ohne dabei das Ende vorwegzunehmen – eine Szene für Sutter Keelys Zukunft ergänzt. Nach der Lektüre muss der Leser das Gelesene noch nachwirken lassen, vor allem nach dem Ende. Daher sollte man sich für das Buch Zeit nehmen, auch wenn es sich durch seine realitätsnahe Sprache schnell lesen lässt. In jedem Fall sollte ein junger Leser die Möglichkeit haben, sich über das Buch und die zum Teil schwierigen Thematiken austauschen zu können. 

Perfekt ist jetzt ist sowohl für Vielleser als auch für wenig erfahrene Leser geeignet und kann sowohl als individuelle Freizeitlektüre gesehen, sowie in der Schule behandelt werden – eventuell zusammen mit der Verfilmung. Als Schullektüre kann es aus Zeitgründen wahrscheinlich nicht im kompletten Umfang, sicher aber in Ausschnitten, gelesen werden. 

Verfilmung des Romans: The Spectacular Now, James Ponsoldt, 2013