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Leseförderung

Der Bereich "Leseförderung" ist unterteilt in "Schule", "Bibliotheken" und "Kooperationen" und richtet sich in erster Linie an Multiplikatoren im Feld der Jungen-Leseförderung. Hier finden Sie Informationen und Anregungen für Ihre praktische Arbeit mit der Zielgruppe.

Leseanimation

Das Leseinteresse unserer Schülerinnen und vor allem unserer Schüler zu wecken, ist neben anderen wichtigen Sozialisationsinstanzen vor allem auch Aufgabe der Schule.

Es geht darum, SchülerInnen einen Zugang zur Bücherwelt zu verschaffen, so dass sie Lesefreude entwickeln und dadurch auch ihre Lesefähigkeiten und ihre Lesekompetenz verbessern können.  Es geht um das Motto "Viel lesen = Besser lesen". Denn nur wer viel liest, kann auch besser lesen. Diese These ist durch zahlreiche Studien bewiesen.

Leseanimierende Verfahren sollen vor allem diejenigen Schülerinnen und Schüler erreichen, die schon basale Lesefähigkeiten erworben haben, aber wenig Motivation zum Lesen aufbringen können. Es werden ihnen Anregungen für verschiedene Lesestoffe geboten und sie finden im Rahmen des Klassenunterrichts oder auch in der Schulgemeinde (siehe auch Lesekultur) die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und Ergebnisse zu präsentieren.

Es werden Ihnen Verfahren vorgestellt, die Sie gut innerhalb der Unterrichtszeit aber auch ergänzend zu Ihrem Unterricht anwenden können. Sie finden Anregungen zu Unterrichtsprojekten und Materialien, die Sie direkt downloaden können.

Das Team von boys and books hofft, Sie mit unserem Angebot in Ihrer Unterrichtspraxis zu unterstützen!

Alle leseanimierenden Verfahren im Überblick

Die Bücherkiste

Bücher tauschen

Buchvorstellungen

Hitlisten erstellen

Die Klassenbibliothek

Die Lesekiste

Der Lesepass

Die Leserolle

Das Lesetagebuch

Die literarische Talkshow

Multimedia-Rucksäcke

 

 

Hitlisten erstellen

Bei der Erstellung von Hitlisten geht es darum, dass die Schülerinnen und Schüler das gelesene Buch nach bestimmten Kriterien bewerten und auch neue Buchtipps erhalten. Das heißt, sie schulen ihr literarisch-ästhetisches Bewusstsein und lernen, über ihr Urteil und über Literatur zu kommunizieren.

Die Hitlisten können zu verschiedenen Rubriken gestaltet und regelmäßig erneuert bzw. aktualisiert werden. Es bieten sich Rubriken zu verschiedenen Genres (Abenteuer, Krimi, Humor, Biographien etc.), zu Lieblingsbüchern der Klasse, zum Autor des Monats, zum Buch des Monats, zur Liste der Bücher des Deutschen Jugendliteraturpreises und vielen anderen Eingrenzungen an. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Es muss festgelegt werden, nach welchen Kriterien die Bücher bewertet werden. Dies hängt natürlich auch vom Alter der SchülerInnen und ihrer Lesekompetenz ab.

Beispielsweise kann im Rahmen eines Schulhalbjahresprojektes eine Hitliste zur Kategorie „Fantasy“ und eine zur Kategorie „Humor“ in der Klasse aufgehängt werden und die Schülerinnen und Schüler machen über das Halbjahr verteilt eigenständig ihre Eintragungen. Jeder soll mindestens ein Buch der beiden Kategorien lesen und sich einige Stichpunkte notieren mit Hilfe von Kriterien (z.B. „Die Geschichte ist lustig“), die von der Lehrkraft festgelegt werden. Bei der Auswertung der Hitliste kann auf die einzelnen Bewertungen der Kriterien zurück gegriffen werden, so dass im Rahmen einer organisierten Anschlusskommunikation über die Eindrücke und Bewertungen der gelesenen Bücher gesprochen werden kann. Diese Art der Hitlistenerstellung eignet sich eher für höhere Klassenstufen. In der Grundschule bietet sich die vereinfachte Form der Buchvorstellung und Bewertung an.

Besonders schön an diesem Verfahren der Leseanimation ist, dass sich die Schüler und Schülerinnen untereinander auch über die Bücher verständigen können und Lesetipps ausgetauscht werden, die vielleicht auch in die private Lektüre einfließen.

Ein Tipp von einem Mitschüler ist doch viel cooler, als der eines/r Lehrers/Lehrerin oder der Eltern!

Materialien zum Download

 

 

Die Leserolle

Eine Leserolle ist eine Sammlung von individuellen Arbeitsergebnissen, die jede/r Schüler/in eigenständig über einen längeren Zeitraum erstellt. Das Besondere daran ist, dass sich die SchülerInnen das Buch selber aussuchen dürfen. Dadurch entsprechen die Lesestoffe meist ihren Leseinteressen und ihrem Kompetenzniveau.

Die erstellte Sammlung kann als Vorstufe eines Portfolios gesehen werden, da sie dazu dient, Zitate, Bilder von Szenen, Briefe an literarische Figuren, Figurenkonstellationen, Inhaltsangaben und vieles mehr zu sammeln. Für die Erstellung der Leserolle gibt es Arbeitsblätter und Aufgabenstellungen für die SchülerInnen.

Alle Ergebnisse werden aneinander geklebt, so dass eine vom Kind selbst gebastelte Schriftenrolle entsteht. Meist entstehen meterlange Rollen, was häufig sehr motivierend wirkt. Die Rollen werden in individuell gestalteten Dosen, z.B. in alten Kartoffelchipsdosen, aufbewahrt, die jeder selbst bekleben und gestalten kann.

Zielgruppe

Leserollen eignen sich vor allem für Kinder und Jugendliche zwischen dem 3. und 8. Schuljahr.

Ziel der Arbeit ist die kreative Auseinandersetzung mit einem Buch. Die SchülerInnen finden einen besonderen Zugang zu ihrer Lektüre, können die Inhalte nachvollziehen und durch die Gestaltung ihrer persönlichen Leserolle eine gewinnbringende Leseerfahrung machen. Zudem wird das Ergebnis durch anschließende Präsentationen und Ausstellungen gewürdigt.

Falls SchülerInnen keine Idee haben, zu welchem Buch sie eine Leserolle gestalten wollen, kann im Vorhinein eine Gesprächsrunde mit der Klasse durchgeführt werden, in der die SchülerInnen untereinander Leseempfehlungen austauschen und eventuell Bücher ausleihen können. Wenn Klassenbibliotheken oder sogar Schulbibliotheken vorhanden sind, können diese auch miteinbezogen werden.

Die Leserolle kann auch ein Bestandteil der persönlichen Lesekiste sein. Zudem gibt es weitere Verfahren, die ähnliche Ziele verfolgen, wie z.B. das Lesetagebuch oder das Lesezeichen. 

Zum Weiterlesen


Materialien zum Download

 

 

Das Lesetagebuch

Das Lesetagebuch ist eine leseanimierende, ganzheitliche Methode, die Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bietet, persönliche Leseeindrücke und –erlebnisse sowie Ideen zu einem von ihnen gelesenen Buch festzuhalten. Die Lesetagebücher können in Form eines frei angelegten Schnellhefters (z.B. DIN-A5-Blätter) erstellt werden.

Ziele

Ein Ziel der Arbeit mit dem Lesetagebuch ist die individuelle Förderung von Leseinteressen, d.h. auch die Ermöglichung, einen eigenen Zugang zu einem Text zu entwickeln. Des Weiteren soll die Reflexionsfähigkeit gefördert werden, d.h. über das Gelesene und über sich selbst nachdenken zu können. Die Steigerung der Lesekompetenz und die Motivation auch außerhalb der Schule zu lesen, sind ebenfalls längerfristig angelegte Ziele. Die SchülerInnen lernen einen eigenverantwortlichen Umgang mit Lektüre und können sich im Sinne der Anschlusskommunikation über ihre (Lese-)Erfahrungen und Vorlieben austauschen.

Zielgruppe

Das Lesetagebuch bietet sich vor allem für jüngere Jahrgangsstufen (Grundschule, Sek I) an, kann aber auch noch bis zur Sekundarstufe II eingesetzt werden. In älteren Jahrgangstufen kann das Lesetagebuch auch in Form eines Lesejournals angefertigt werden. Das Lesejournal ist eine weiterführende Form des Lesetagebuches, bei dem schon mehr Wert auf analytische Aspekte gelegt wird und das daher eher für ältere Jahrgänge geeignet ist.

Gender
Natürlich bietet sich das Lesetagebuch auch an, um auf genderspezifische Leseinteressen eingehen zu können. Vor allem die offene Arbeitsweise mit dem Lesetagebuch lässt Räume, um auch die Jungen mit ins Boot zu holen.

Umsetzungsmöglichkeiten
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man das Lesetagebuch in seinen Unterricht integrieren kann.

Grundsätzlich sollte den Kindern und Jugendlichen ein eigenständiges Arbeiten mit ihrem Lesetagebuch ermöglicht werden. Daher sieht eine offene Arbeitsweise vor, dass sich die SchülerInnen ihre Lesestoffe selbst aussuchen dürfen und innerhalb von integrierten Lesezeiten im Unterricht in ihrem Tempo arbeiten dürfen. Die Inhalte der Lesetagebücher können von den SchülerInnen selbst bestimmt werden, wobei hierbei immer Anregungen und Arbeitsblätter zur Verfügung stehen sollten. Bei einer eher geschlossenen Variante werden eine verbindliche Klassenlektüre und die zu bearbeitenden Aufträge vorgegeben. Man kann dabei auch Lesebegleithefte (z.B. mit Karteikartensystem, siehe Materialien zum Download) vorstrukturieren.

Zusammenfassend gibt es vier Entscheidungen, die vorab von der Lehrkraft getroffen werden müssen:

1)    Festgelegte Klassenlektüre vs. Freie Buchwahl (auch aus Schul-/Klassenbibliothek)
2)    Feste Lesezeiten im Unterricht vs. Außerschulische Lektüre
3)    Vorgegebene Arbeitsaufträge/-blätter vs. Eigenständige Füllung des Tagebuchs + Anregungen
4)    Arbeit an dem Lesetagebuch im Unterricht + Hausaufgaben vs. Schul(halb)jahresprojekt außerhalb des Unterrichts

Die Rolle des Lehrers

Die Lehrkraft nimmt vor allem eine beratende und unterstützende Rolle ein. Sie kann ggf. Buchempfehlungen aussprechen und während des Arbeitsprozesses mit den SchülerInnen durch nachfragende und interessierte Kommentare im Lesetagebuch in einen Dialog treten.

Diagnostische Maßnahme
Das Lesetagebuch ist ein gutes Mittel, um Leseinteressen und –gewohnheiten der SchülerInnen zu beobachten und um individuell fördern zu können. Man erhält auch Eindrücke von der Lese- und Schreibentwicklung der einzelnen SchülerInnen.

Bewertung des Lesetagebuchs

Experten raten von einer Bewertung oder Korrektur des Lesetagebuchs unter den üblichen Gesichtspunkten ab. Die ursprüngliche Idee des freien, kreativen und experimentellen Schreibens verfällt so wieder dem Leistungsgedanken, der eigentlich bei dieser Methode im Hintergrund stehen soll!
Falls sich eine Notengebung nicht umgehen lässt, könnte alternativ eine Note für die gesamte Unterrichtsreihe, d.h. die Intensität der Arbeit am Lesetagebuch, evtl. die Mitarbeit in Diskussionen und das Mitwirken bei der Planung der Unterrichtseinheit gegeben werden. Das Lesetagebuch könnte dabei ggf. eine Klausur ersetzen. Hierzu wird Ihnen in der unten stehenden Übersicht ein Vorschlag für einen möglichen Bewertungsbogen für ein Lesetagebuch angeboten.

Materialien zum Download